Über uns

Gemeinde Scheuring

Zur Gemeinde Scheuring gehören vier Ortsteile: Das Pfarrdorf Scheuring, die Einöden Haltenberg und Zollhaus sowie das Gut Lichtenberg.
Mit der Gemeinde Prittriching bildet Scheuring eine Verwaltungsgemeinschaft.

Lage und Ortsbild

Scheuring liegt im nördlichen Teil des Landkreises Landsberg und grenzt im Norden an Prittriching, im Süden an die Gemeinden Weil und Kaufering, sowie im Westen an die Gemeinde Obermeitingen und an den Landkreis Augsburg (Regierungsbezirk Schwaben) an. Die Scheuringer Flur erstreckt sich überwiegend im Tal des Lechs und des Mühlbachs. Im flachen Gelände breiten sich hauptsächlich Wiesen und Auwälder aus, südlich und östlich des Dorfes Ackerland. Die Ortsteile Lichtenberg und Haltenberg liegen 2 bzw. 3,5 km südwestlich von Scheuring an der steilen Lechleite. Das Dorf entwickelte sich aus zwei Ortskernen um die beiden Kirchen, die heute noch das Ortsbild bestimmen.

Archäologie

Ein ausgedehntes Grabhügelfeld vorgeschichtlicher Zeitstellung mit einst 171 Hügeln belegt die frühe Besiedlung des Gebietes. Zwischen 1978 und 1986 konnte eine ausgedehnte Siedlung mit v.a. linearbandkeramischen Funden (erste neolithische Kultur Mitteleuropas) nachgewiesen werden. Eine kontinuierliche Besiedlung belegen weitere Funde der Bronze-, Hallstatt-, Latène- und der römischen Kaiserzeit; bereits Ende des 19. Jhs. deckte man eine römische Villa rustica südlich von Haltenberg auf.

Erstnennung und Ortsgeschichte

Die diskutierten Erstnennungen von 1085 und 1030 basieren auf zwei Ausfertigungen einer Urkunde, die jedoch erst Mitte des 12. Jhs. oder später erstellt wurden. Unter Ludwig dem Frommen war der Lechrain und auch das Gebiet um Scheuring in den Besitz der Welfen gelangt. 1217 dotiert Kaiser Friedrich II. das Kloster Benediktbeuern mit einem Hof in Scheuring. 1260 überträgt die Äbtissin von St. Stephan in Augsburg einen Hof in Schiringen dem Heinrich von Schiringen. Die Schiringer kommen bis 1507 in vielen Besitzurkunden vor. Um 1340 war Herzog Friedrich von Teck im Lehensbesitz des Kirchensatzes, des Gerichts und der Ehaft in Scheuring. Im Krieg der bayerischen Herzöge wurde Scheuring 1372 niedergebrannt. Wieder aufgebaut kam es 1386 mit Lichtenberg an die bayerischen Herzöge Stephan und Johann, die den Zehent 1387 an das Kloster Schäftlarn verschenkten.

Die Mitte des 13. Jhs. im Zuge der staufischen Reichslandpolitik gegründete Burg Lichtenberg war eine vom Reich lehenbare Burg, die urkundlich erstmals 1354 erwähnt wird. In ihren Besitz fiel im 14. Jh. Kirchensatz und Kirchvogtei zu Scheuring, für 1442 ist erwähnt, dass Scheuring gerichtlich zu Lichtenberg gehört. Die Besitzverhältnisse des 14.-17. Jhs. sind geprägt durch häufige pfand- und lehensweise Vergaben durch die bayerischen Herzöge. Hermann von Hegnenberg-Haldenberg ließ Mitte des 13. Jhs. eine Burg auf dem Hochufer des Lechs anlegen, die später als Schloss ausgebaut wurde. Ab 1666 blieb Schloss Lichtenberg mit der Hofmark Scheuring und dem Schloss Haltenberg in unmittelbarem Besitz der bayerischen Kurfürsten, die die beiden Schlösser für Sommeraufenthalte nutzten. Mitte des 18. Jhs. bestehen neben dem fürstlichen Besitz in Scheuring Grundherrschaften der Klöster Schäftlarn und Wessobrunn, des Spitals Weilheim, der Kirche und der Gmain Scheuring. Das prunkvolle Schloss Lichtenberg, 1687 von Hofbaumeister Giovanni Antonio Viscardi erbaut, wurde 1808 von General von Wrede abgebrochen, das Baumaterial für Militärgebäude in Augsburg verwendet. Beim Teilabbruch des Schlosses Haltenberg 1802-11 blieb ein 10 m hoher Stumpf des Burgfrieds, Umfassungsmauern der Wohnbauten und der Burgkapelle St. Erasmus aus der ersten Hälfte des 15. Jhs. erhalten (s. auch Beitrag Huber).

Kirchengeschichte

Schon für 1190 ist der erste Pfarrherr in Scheuring urkundlich belegt. Die Reihe der Geistlichen ist ab 1305 nahezu lückenlos nachgewiesen. Von den Pfarrherren von Scheuring eingesetzte Kapläne versorgten die herzoglichen Schlosskapellen in Lichtenberg und Haltenberg. Heinrich von Seefeld stiftete 1337 ein Gut im Unterdorf für den Kaplan, in dieser Zeit besaß Scheuring bereits zwei Kirchen. Der Kirchensatz der Pfarrei gelangte 1387 an das Kloster Schäftlarn, die Inkorporation erfolgte 1443. Das 1554 erbaute Pfarrhaus musste 1905 einem Neubau weichen.

Baudenkmäler

Die Pfarrkirche St. Martin im Südteil des Ortes ist im Kern ein spätgotischer Bau mit Sattelturm. Im 30jährigen Krieg war die Kirche ausgebrannt; 1663 baute man das Langhaus wieder auf. 1753 wurde die Kirche mit Deckenstuck von Franz Xaver Feichtmayr d.Ä. und Fresken von Franz Martin Kuen mit Bildthemen zum Kirchenpatron wie zum Kirchenherrn, den Prämonstratensern von Kloster Schäftlarn, ausgestattet.

Mit der im Nordteil des Dorfes auf einer Anhöhe gelegenen Filialkirche St. Johannes d.T. besitzt Scheuring einen bedeutenden Sakralbau aus gotischer Zeit. Der Bau wurde wohl anstelle einer älteren Kirche 1472 unter Herzog Sigismund begonnen. Der wuchtige, doch schlank wirkende Turm zu sieben Geschossen auf der Nordseite des Chores schließt mit hohem Spitzhelm. Ein gemauerter, mit einem Pultdach gedeckter Treppenaufgang aus dem 17./18. Jh. führt zur Kirche hinauf.

Südlich neben der Pfarrkirche steht eine 1618 erbaute und 1720 erneuerte Seelenkapelle mit Totenkerker und geschnitzten Ölbergfiguren: Christus, die schlafenden Jünger und der Engel sind wohl gleichzeitig mit der Kapelle entstanden.

Die 1865 von Elisabet Henkl gestiftete Michaelskapelle erbaute Johann Jörg, Palier aus Pestenacker.

Stattliche Bauwerke sind das 1843 entstandene Gasthaus mit Satteldach sowie das Pfarrhaus mit Walmdach aus dem 17./18. Jh. Wichtiger Zeuge der abgegangenen ländlichen Baukultur sind die Bauernhäuser Hauptstraße 48 aus dem 19. Jh. respektive Hauptstraße 78 aus dem 18. Jh.

In Haltenberg hat sich außer der Burgruine der ehemalige Bauhof mit angebautem Stadel, im Kern 18. Jh., erhalten. Von Schloss Lichtenberg blieb das ehemalige Verwalterhaus, im Kern 1777, erhalten.

Bürgermeister

1972-2002 Walter Scharf

seit 2002 Manfred Menhard

Maßnahmen der Gemeinde

1973 Umbau des Landjugendheimes in einen Kindergarten

1974 Errichtung des Bauhofes

1975 Verbesserung der Ortsdurchfahrt

1976/77 Bau einer neuen Friedhofsanlage mit Aussegnungshalle

1982 Bau einer neuen Trinkwasserpumpstation und Auffangbecken

1989 – 1991 Bau der Lechrainhalle mit Vereinsheim, Trachtenheim,,Kegelbahn und 2 Sportplätzen

1990/91 Bau des neuen Rathauses

1992/93 Bau des neuen Feuerwehrhauses mit Bauhof und Räume für die Landjugend

1995 Kindergarten-Anbau mit 2 Gruppenräumen

1996/97 Ortskanalisation

1999/2000 Bau des neuen Schützenheimes mit 18 Schießständen und Vereinsheim

2002/03 Um- und Anbau der Volksschule Scheuring

2012/2013 Bau eines neuen Wasserwerkes mit der Gemeinde Prittriching

 

Handel, Gewerbe, Wirtschaft

36 Handwerksbetriebe und 137 Firmen im Bereich Handel/Dienstleistung sind in Scheuring gemeldet. 124 Einpendlern stehen 612 Auspendler gegenüber. Durch die Ausweisung von Baugebieten sorgt die Gemeinde dafür, dass Einheimische sich Wohnungseigentum schaffen und Auswärtige sich hier niederlassen können. So stieg die Einwohnerzahl in den letzten 20 Jahren um 590 auf 1.892 (Stand: 31.12.2013 - 1.907 Einwohner).

 

Schule und Museum

Das Mesneramt, das meist mit dem Schuldienst verbunden ist, ist schon im 13. Jh. besetzt, das Mesnerhaus diente gleichzeitig als Schule. 1945/46 wurde das ehemalige Jugendheim („Hitlerheim“) umgebaut um ein drittes Klassenzimmer zu erhalten. Ein neuer Schulbau wurde 1958 einweiht, 1966 erfolgt der Anbau von weiteren Klassenzimmern und einer Turnhalle. Mit dem Zusammenschluss der Gemeinden Prittriching und Scheuring 1969 erhält die neue Schulgemeinschaft mit den Jahrgangsstufen 1 - 6 ihren Sitz in Scheuring. 2002/03 folgte ein weiterer An- und Umbau der Schule; seit 2006 gehen die Fünft- und Sechstklässler in die Hauptschule Weil.

Auf Initiative von Franz Haas konnte im Oktober 1996 das Heimatmuseum im Dachgeschoss des neuen Rathauses eröffnet werden. Neben der Ortsgeschichte, durch Häuserchroniken und Landkarten verdeutlicht, ist die Alltagskultur Thema des Hauses.

 

(© Kreisheimatbuch des Landkreises Landsberg am Lech)